
Werbung für ein mobiles Endgerät an einer Hauswand in Berlin.
Die Diskussion – auch am Rande der gestrigen mekonet Fachtagung – erinnerte mich an einen altes Zitat des kanadischen Medienwissenschaftlers Marshall McLuhan aus dem Jahre 1967:
„The electronic environment makes an information level outside the schoolroom that is far higher than the information level inside the schoolroom. In the nineteenth century the knowledge inside the schoolroom was higher than knowledge outside the schoolroom. Today it is reversed. The child knows that in going to school he is in a sense interrupting his education.“ (McLuhan 1967)
Nach über vierzig Jahren Medienentwicklung scheint diese Behauptung eine empirische Unterstützung zu erfahren. Schülerinnen und Schüler „unterbrechen“ demnach ihre Bildung, wenn sie sich in „elektronisch informationsarmen Schulräumen“ aufhalten. In diesem Sinne könnte man bereits damals ein Analyseergebnis der PISA 2003 Studie zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Schule interpretieren: „Schülerinnen und Schüler, die ihre Computerkenntnisse vornehmlich in der Schule erwerben, weisen gegenüber den Gruppen, die diese anderorts erwerben, einen deutlichen Kompetenzrückstand auf“ (Senkbeil / Drechsel 2004, Literaturangaben, s. Gapski (2006a).
Was bedeutet dies? Auf Ausstattungsinitiativen von Schulen zu verzichten, weil die informationsreichere Umgebung ohnehin außerhalb der Schule in der Freizeitwelt vorhanden ist und die Kompetenzen im Umgang mit Informationen auch dort erworben werden? Dem Prinzip der Teilhabe und Chancengerechtigkeit folgen und Ausstattungen für informationsarme Umwelten in der Schule bereitstellen? Den Fokus in der Schule auf Kreativität, Reflexion und Begleitung legen und die (ohnehin in den privaten Haushalten vorhandenen) mobilen Technologien als Mittler zwischen Lebens- und Schulwelt begreifen – mit allen Konsequenzen für eine neue Lernkultur?